Funktionen von Somatropin im Körper
Das Wachstumshormon (Growth Hormone, GH) ist ein unverzichtbarer Begleiter beim Erwachsenwerden. Es wird in der Hypophyse produziert und spielt eine wesentliche Rolle für diverse physiologische Prozesse in peripheren Geweben und im Zentralnervensystem.1
Seine Wirkung erstreckt sich auf:1–3
- das Längenwachstum
- Knochen und Muskulatur
- wichtige Stoffwechselprozesse wie Regulation des Blutzuckers (v. a. in der Leber), des Fettabbaus und der Proteinsynthese
Bei einem Wachstumshormonmangel (Growth Hormone Deficiency, GHD) produziert der Körper kein oder zu wenig Wachstumshormon, was bei Kindern und Jugendlichen zu einem verminderten Längenwachstum führt. Im Verlauf entwickeln sie deshalb einen proportionierten Kleinwuchs.4
Ursachen für Wachstumshormonmangel
In den meisten Fällen liegt ein idiopathischer Wachstumshormonmangel vor. In seltenen Fällen ist die Ursache der Wachstumsstörung auf genetische Veränderungen zurückzuführen.4
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Mögliche Ursachen für erworbenen Wachstumshormonmangel:4
- Morphologische Fehlbildungen des Gehirns
- Ausgeprägte morphologische Fehlbildungen der Hypophyse
- Schädigung von Hypophyse und/oder Hypothalamus durch Trauma, Infektion, infiltrative (entzündliche oder tumoröse) Erkrankungen, kraniale Bestrahlung oder chirurgische Eingriffe
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Ursachen für angeborenen Wachstumshormonmangel:5
- Seltene monogenetische Formen, z. B. Deletionen oder Punktmutationen im Wachstumshormon-Gen (GH1) oder dem Gen für den Rezeptor des GH-freisetzenden Hormons (Growth Hormone-Releasing Hormone, GHRH)
- Je nach Art der Mutation und des betroffenen Gens autosomal-dominante oder -rezessive Vererbung
- Isoliertes Auftreten oder in Kombination mit anderen hypophysären Hormonausfällen
Epidemiologie des Wachstumshormonmangels
In Deutschland waren im Jahr 2022 in den GKV-Datenbanken insgesamt 5.198–5.958 Patientinnen und Patienten mit pädiatrischem Wachstumshormonmangel (Pediatric Growth Hormone Deficiency, pGHD) erfasst.6 Der überwiegende Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Wachstumshormonmangel ist zwischen 3 und 13 Jahren alt.6
Abb. 1: Geschätzte Prävalenz von Wachstumshormonmangel in Deutschland.6
Prognose bei einer GHD-bedingten Wachstumsstörung
Bei einem isolierten Wachstumshormonmangel besteht bei den meisten Patientinnen und Patienten im Erwachsenenalter in der Regel kein behandlungsbedürftiger Mangel mehr.7 In einigen Fällen kann ein persistierender Wachstumshormonmangel im Erwachsenenalter vorliegen.7
Eine Studie zur Reevaluation des Schweregrades bei Patientinnen und Patienten mit zuvor diagnostiziertem pGHD zeigte, dass bei 33 % der älteren Jugendlichen auch während der Transition ins Erwachsenenalter ein persistierender Wachstumshormonmangel in Provokationstests nachweisbar war.8
Besonders häufig blieb ein schwerer GHD bis ins Erwachsenenalter bestehen, wenn multiple Hormonmängel vorlagen oder deutliche Anzeichen einer organischen Erkrankung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse vorlagen: In dieser Patientengruppe wiesen über 90 % der getesteten Patientinnen und Patienten weiterhin einen schweren GHD auf.8
In solchen Fällen wird die Weiterbehandlung mit Somatropin empfohlen.8
Der isolierte Wachstumshormonmangel ist keine lebensbedrohliche Erkrankung. Er kann jedoch neben dem reduzierten Längenwachstum psychische Auswirkungen wie geringes Selbstwertgefühl, Depressionen oder Angstzustände haben, die Kinder und Jugendliche mit GHD belasten können.9,10
Keine erhöhte Gesamtmortalität durch Somatropin
Kinder und Jugendliche mit Wachstumshormonmangel können ein erhöhtes Risiko für kardiovaskulär bedingte Mortalität aufweisen. Mehrere Studien berichten übereinstimmend von einer signifikant erhöhten Sterblichkeit aufgrund von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bei Patientinnen und Patienten mit pGHD.11
Die Behandlung mit Somatropin geht nach Daten einer multizentrischen Kohortenstudie nicht mit einer erhöhten Gesamtmortalität bei Kindern und Jugendlichen mit pGHD einher. In der groß angelegten Studie mit über 24.000 Kindern und Jugendlichen konnte weder die mittlere noch die kumulative Dosis von Somatropin mit einer erhöhten Mortalität in Zusammenhang gebracht werden.11
Die Studiendaten verdeutlichen, dass ein Wachstumshormonmangel klinisch relevante Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben kann und daher einer sorgfältigen diagnostischen und therapeutischen Betreuung bedarf.11
Auch interessant für Sie:
GH = Growth Hormone (Wachstumshormon)
GH1 = Growth Hormone 1 (Wachstumshormon-Gen)
GHD = Growth Hormone Deficiency (Wachstumshormonmangel)
GHRH = Growth Hormone-Releasing Hormone (Wachstumshormon-freisetzendes Hormon)
LAGH = Long-Acting Growth Hormone (langwirksames Wachstumshormon)
pGHD = Pediatric Growth Hormone Deficiency (pädiatrischer Wachstumshormonmangel)
- Blum WF et al. The growth hormone-insulin-like growth factor-I axis in the diagnosis and treatment of growth disorders. Endocr Connect, 2018. 7(6):R212–R222. doi: 10.1530/EC-18-0099. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29724795/
- Donato J Jr et al. Central Regulation of Metabolism by Growth Hormone. Cells, 2021. 10(1):129. doi: 10.3390/cells10010129. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33440789/
- Berryman DE and List EO. Growth Hormone's Effect on Adipose Tissue: Quality versus Quantity. Int J Mol Sci, 2017. 18(8):1621. doi: 10.3390/ijms18081621. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28933734/
- Binder G et al. Leitlinie zur Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter. Monatsschr Kinderheilkd, 2009. 157:997–1006. doi: 10.1007/s00112-009-2049-z. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00112-009-2049-z
- Murray PG and Clayton PE. Disorders of Growth, in: Brook's Clinical Pediatric Endocrinology, Seventh Edition. 2019. doi: 10.1002/9781119152712.ch6. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1002/9781119152712.ch6
- Ascendis Pharma Endocrinology GmbH. Dossier zur Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V, Lonapegsomatropin (Skytrofa®), Modul 3A. 2023.Verfügbar unter: https://www.g-ba.de/downloads/92-975-7018/2023_09_14_Modul3A_Lonapegsomatropin.pdf Zuletzt aufgerufen: Dezember 2025.
- Tavares AB et al. Growth hormone deficiency and the transition from pediatric to adult care. Jornal de Pediatria, 2021. 97:595–602. doi: 10.1016/j.jped.2021.02.007. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0021755721000541
- Geffner M et al. Growth hormone replacement therapy: transition from adolescence to adulthood. J Clin Res Pediatr Endocrinol, 2009. 1(5):205–208. doi: 10.4274/jcrpe.v1i5.205. Verfügbar unter: https://jcrpe.org/articles/growth-hormone-replacement-therapy-transition-from-adolescence-to-adulthood/jcrpe.v1i5.205
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