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Einschätzung des HypoPT-Risikos nach OP

In etwa 75 % der Fälle entsteht Hypoparathyreoidismus (HypoPT) als Folge einer Operation, z. B. einer Schilddrüsenresektion, bei der die Nebenschilddrüsen beschädigt oder versehentlich entfernt werden.1 Rund 2 bis 10 % der Patientinnen und Patienten mit einer totalen Thyreoidektomie entwickeln einen dauerhaften HypoPT, insbesondere, wenn auch die zentralen/lateralen Lymphknoten im Rahmen einer Schilddrüsenkrebs-Behandlung entfernt wurden.2 Die Einschätzung des Risikos für die Entstehung eines HypoPT wird daher früh nach einem operativen Eingriff in der Halsregion empfohlen.3

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Der Parathormon (PTH)-Wert sollte 12 bis 24 Stunden nach einer Operation im Halsbereich gemessen werden, da er wichtige Hinweise auf das Risiko für die Entstehung eines HypoPT geben kann:

  • Beträgt der PTH-Wert 12 bis 24 Stunden nach dem Eingriff mehr als 10 pg/ml (1,05 pmol/l), ist die Entstehung eines andauernden HypoPT unwahrscheinlich.3
  • Bei Patientinnen und Patienten mit einem niedrigeren postoperativen PTH-Wert muss nicht zwangsläufig ein andauernder HypoPT entstehen. Unter 10 pg/ml (1,05 pmol/l) ist das Risiko für einen chronischen HypoPT erhöht.3 Bei dieser Patientengruppe wird daher eine engmaschige Überwachung auf Hypocalcämie-Symptome (auch als Hypokalzämie bezeichnet) sowie ggf. eine Überprüfung des Calcium- und PTH-Werts insbesondere in der ersten Woche nach der Operation und darüber hinaus in Abhängigkeit von Symptomatik und Hypocalcämie empfohlen.4
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Die Anzahl der verbleibenden funktionsfähigen Nebenschilddrüsen nach einem Eingriff hat einen wesentlichen Einfluss darauf, ob die Patientin bzw. der Patient eine postoperative Hypocalcämie entwickelt (vgl. Tab. 1).2

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Tab. 1: Nebenschilddrüsen und Risiko für Hypocalcämie. Mod. nach Bollerslev J et al., 2025.2 

Erhaltene Nebenschilddrüsen

Risiko für postoperative Hypocalcämie

4

2,5 %

3

6 %

1 bis 2

16 %

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Weitere Risikofaktoren für einen postoperativen Hypoparathyreoidismus sind:

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Icon Patient

Patientenfaktoren:5 
  • Adipositas
  • BMI > 40
  • Vitamin D-Mangel
  • Pädiatrische Patientinnen und Patienten 
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Icon Patientenakte

Krankheitsfaktoren:5
  • Morbus Basedow
  • Malignität
  • Gleichzeitige Schilddrüsen- und/oder Nebenschilddrüsen-Operation 
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Icon Chirurgie

Chirurgische Faktoren:5 
  • Halsdissektion Level VI
  • Reoperation
  • Transoraler Ansatz
  • Operationsdauer > 3 Stunden
  • Geringes Operationsvolumen
  • Versehentliche Parathyreoidektomie 
Diagnose des HypoPT
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Diagnose des HypoPT

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Unabhängig von der Ursache kann die Diagnose HypoPT gemäß internationaler Leitlinie gestellt werden, wenn eine Hypocalcämie (basierend auf ionisiertem Serumcalcium oder Albumin-bereinigtem Gesamtserumcalcium) in Verbindung mit nicht nachweisbarem, erniedrigtem oder inadäquat normalem intaktem PTH-Wert vorliegt.3

Kalendersymbol mit Zeitangabe über zwölf Monate zur Darstellung einer anhaltenden Hypocalcämie.
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Diagnose des chronischen HypoPT

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Um die Diagnose des chronischen HypoPT zu stellen, sollten gemäß der internationalen Leitlinie sowie der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Endokrinologie (European Society of Endocrinology, ESE) eine Hypocalcämie und ein nicht nachweisbares, erniedrigtes oder inadäquat normales intaktes PTH mindestens zwölf Monate nach einem chirurgischen Eingriff vorliegen.2,3

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Zur Diagnose des HypoPT bzw. chronischen HypoPT sollte der Parathormon-Wert mit einem spezifischen Assay bestimmt werden. Der Befund sollte zwei Wochen nach der ersten Messung bestätigt werden.3

Eine Hyperphosphatämie, ein reduzierter 1,25(OH)2-Vitamin-D-Spiegel sowie eine erhöhte fraktionierte Ca2+-Ausscheidung im Urin (Hypercalciurie) stützen die Diagnose zusätzlich.3

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Weitere Beurteilung

Zur weiteren Evaluation der Patientinnen und Patienten können neben dem Calcium-, Phosphat-, 1,25(OH)2-Vitamin-D- und Parathormon-Wert folgende Aspekte und Untersuchungen herangezogen werden:

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Patientenakte

  • Persönliche Vorgeschichte anderer endokriner Erkrankungen oder früherer Operationen am vorderen Halsbereich
  • Familiäre Krankengeschichte einer anderen endokrinen Mangelerkrankung oder eines Hypoparathyreoidismus 
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Icon Körperliche Untersuchung

  • Ektopie Calcifizierungen (z. B. in den Augen)
  • Anzeichen auf eine frühere Halsoperation
  • Chvostek- oder Trousseau-Zeichen
  • Pilzinfektion der Nagelplatte
  • Mukosale Candidose
  • Bewegungsumfang der Gelenke
  • Haut (Vitiligo) 
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Icon Labor

  • Phosphat
  • Magnesium
  • 25(OH)-Vitamin D
  • 1,25(OH)2-Vitamin D
  • BUN/Kreatinin
  • 24-Stunden-Urin zur Bestimmung der Kreatinin-Clearance oder der eGFR, Calciumausscheidung und biochemisches Nierenstein-Risikoprofil 
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Icon Röntgen

  • Röntgen (Schädel)
  • Ultraschall oder CT-Scan der Nieren
  • Knochendichtemessung mittels DXA 
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Icon Genetik

  • Bei Verdacht auf eine genetische Ursache (junges Alter, Familiengeschichte, Versagen multipler endokriner Drüsen)
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Auch interessant für Sie:

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BMI = Body Mass Index (Körpermassenindex)
BUN = Blood Urea Nitrogen (Blut-Harnstoff-Stickstoff)
CT = Computertomografie 
DXA = Dual-Energy X-ray Absorptiometry (Dual-Röntgen-Absorptiometrie)
eGFR = Estimated Glomerular Filtration Rate (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate)
ESE = European Society of Endocrinology (Europäische Gesellschaft für Endokrinologie)
HypoPT = Hypoparathyreoidismus 
PTH = Parathormon

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  1. Mannstadt M et al. Hypoparathyroidism. Nat Rev Dis Primers. 2017; 3:1705. doi: 10.1038/nrdp.2017.55. Verfügbar unter: https://www.nature.com/articles/nrdp201755
  2. Bollerslev J et al. Revised European Society of Endocrinology Clinical Practice Guideline: Treatment of Chronic Hypoparathyroidism in Adults. Eur J Endocrinol. 2025; 193(5):G49–G78. doi: 10.1093/ejendo/lvaf222. Verfügbar unter: https://academic.oup.com/ejendo/article/193/5/G83/8321487
  3. Khan AA et al. Evaluation and Management of Hypoparathyroidism Summary Statement and Guidelines from the Second International Workshop. J Bone Miner Res. 2022; 37(12):2568–2585. doi: 10.1002/jbmr.4691. Verfügbar unter: https://academic.oup.com/jbmr/article/37/12/2568/7500085
  4. Khan AA et al. Best practice recommendations for the diagnosis and management of hypoparathyroidism. Metabolism. 2025; 171:156335. doi: 10.1016/j.metabol.2025.156335. Verfügbar unter: https://www.metabolismjournal.com/article/S0026-0495(25)00204-5/fulltext 
  5. Khan S, Khan AA. Hypoparathyroidism: diagnosis, management and emerging therapies. Nat Rev Endocrinol. 2025; 21(6):360–374. doi: 10.1038/s41574-024-01075-8. Verfügbar unter: https://www.nature.com/articles/s41574-024-01075-8 
  6. Brandi ML et al. Management of Hypoparathyroidism: Summary Statement and Guidelines. J Clin Endocrinol Metab. 2016; 101(6):2273–83. doi: 10.1210/jc.2015-3907. https://academic.oup.com/jcem/article/101/6/2273/2804718
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06/2026 DE-COMM-2500066 v1.0