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Allgemeines zur Diagnostik bei Verdacht auf Wachstumshormon­mangel

Die Diagnostik des isolierten Wachstumshormonmangels (Growth Hormone Deficiency, GHD) basiert auf anamnestischen Daten zu Längenwachstum, auxologischen Parametern, laborchemischen Untersuchungen und bildgebenden Verfahren sowie Stimulationstests.1

Da der isolierte pädiatrische Wachstumshormonmangel (Pediatric Growth Hormone Deficiency, pGHD) eine seltene Erkrankung ist, müssen zunächst andere Ursachen für ein verzögertes Längenwachstum ausgeschlossen werden. Zahlreiche Faktoren können das Längenwachstum beeinflussen. Die Diagnostik des isolierten Wachstumshormonmangels kann daher nur bei entsprechendem klinischem Bild und nach Ausschluss von Differenzialdiagnosen erwogen werden.1

Beispiele für Erkrankungsbilder, bei denen Wachstumsstörungen und eine verringerte Körpergröße auftreten können:2

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  • Klinisch definierte Syndrome (z. B. Turner-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom)
  • Sekundäre Wachstumshormonresistenz im Rahmen anderer Erkrankungen
  • Skelettdysplasien
  • Kardiale Ursachen
  • Pulmonale Ursachen
  • Renale Ursachen
  • Malnutrition
  • Chronische Erkrankungen
  • Adipositas
  • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus
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Wer soll im Rahmen der Diagnostik getestet werden?

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Die S2e-Leitlinie „Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter“ empfiehlt, die Verdachtsdiagnose zunächst durch auxologische und klinische Parameter zu erstellen und diese bei fortbestehendem Verdacht durch laborchemische und radiologische Parameter zu ergänzen. Zentral für die Diagnosestellung eines Wachstumshormonmangels ist ein pathologisches Wachstum und die Wachstumsgeschwindigkeit.1

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Welche Tests sollen durchgeführt werden?

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Wenn auxologische und bildgebende Verfahren keine Differenzialdiagnose ergeben, kann die Diagnostik mittels laborchemischer Untersuchungen ergänzt werden. Eine direkte Bestimmung der Sekretion des Wachstumshormons (Growth Hormone, GH) birgt allerdings das Risiko falsch positiver Ergebnisse. Einzelmessungen sind daher diagnostisch nicht verwertbar.1

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Wachstumsge­schwindigkeit und Perzentile

Die Wachstumsgeschwindigkeit soll über mindestens sechs, vorzugsweise zwölf Monate bestimmt werden und anhand von Wachstumskurven beurteilt werden.1 

Für die Interpretation der Wachstumsdaten empfiehlt die S2e-Leitlinie unter anderem die Referenzdaten von Prader et al. oder Kromeyer-Hauschild et al.3,4 Auch das Robert-Koch-Institut stellt Perzentile für anthropometrische Maßzahlen zur Verfügung, die als Referenz dienen können.5

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CAVE: Bei einer verminderten Wachstumsgeschwindigkeit in den ersten drei bis vier Lebensjahren muss differenzialdiagnostisch auch ein reguläres „catch-down“-Wachstum in Erwägung gezogen werden. Diese Kinder sind bei Geburt groß für das Gestationsalter (LGA, large for gestational age) oder auch größer als es anhand der elterlichen Körpergröße bzw. des elterlichen Zielgrößenbereichs zu erwarten wäre.2 Werfen Sie hierzu einen Blick in die aktuelle Leitlinie.

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Zielgröße

Die individuelle Zielgröße nach Tanner wird aus der Körpergröße der Elternteile berechnet und gibt die zu erwartende Körpergröße nach Abschluss des Wachstums eines Kindes an.2

Die Zielgröße: das wichtigste Therapieziel

Das Erreichen der elterlichen Zielgröße stellt für Kinder und Jugendliche mit Wachstumshormonmangel das primäre Ziel der Therapie dar. Wie diese ermittelt wird und welche weiteren Therapieziele bei einer GH-Substitutionstherapie verfolgt werden, erfahren Sie auf unserer Seite rund um die Therapie mit Somatropin.

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Wann sollen weitere Untersuchungen folgen?

Kinder sollen weiter untersucht werden, wenn bei Betrachtung der Wachstumskurve eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:1

  • Die Körperhöhe fällt nach anfänglich normalem perzentilparallelem Wachstum unter den Perzentilbereich der Zielgröße.
  • Die Körperhöhe liegt bei fehlenden früheren Wachstumsdaten unterhalb des Perzentilbereichs der Zielgröße und entfernt sich bei nachfolgenden Untersuchungen weiter von dem Perzentilbereich der Zielgröße und/oder des zuletzt erreichten Perzentils.
  • Die gemessene Wachstumsgeschwindigkeit liegt unterhalb der 25. Wachstumsgeschwindigkeitsperzentile.

Die Wachstumsgeschwindigkeit präpubertärer Kinder und Jugendlicher, die den anamnestischen/klinischen Verdacht auf eine konstitutionelle Verzögerung von Wachstum und Pubertät aufweisen, soll mittels gruppenspezifischer Referenzwerte beurteilt werden. Eine Wachstumsgeschwindigkeit von mehr als einer Standardabweichung (SD) unterhalb des Mittelwertes dieser Referenz (-1 Standardabweichungswert [Standard Deviation Score, SDS]) entspricht näherungsweise dem 25. Perzentil.1

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Tab. 1: Wachstumsgeschwindigkeiten (cm/Jahr) bei präpubertären Jungen im Alter von 10 bis 15 Jahren und bei präpubertären Mädchen im Alter von 8 bis 12 Jahren, Mittelwert und 1 SD. Mod. nach Deutsche Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie, 2021.1   

Alter (in Jahren)

Jungen

Mädchen

8

5,5 ± 0,8

9

5,1 ± 0,8

10

4,9 ± 0,7

4,7 ± 0,8

11

4,6 ± 0,7

4,6 ± 0,8

12

4,2 ± 0,7

5,3 ± 0,8

13

4,5 ± 0,7

14

4,5 ± 0,7

15

4,7 ± 0,7

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Laborchemische Tests: IGF-1 und IGFBP-3

Zunächst sollte die Bestimmung der Konzentrationen des insulinähnlichen Wachstumsfaktors-1 (Insulin-Like-Growth Factor 1, IGF-1) sowie von IGFBP-3 im Plasma oder Serum erfolgen. Erniedrigte IGF-1- und/oder IGFBP-3-Werte unter -1 SDS sprechen für eine vorliegende Störung und sollten nach Ausschluss von Differenzialdiagnosen mittels Wachstumshormon-Stimulationstests ergänzt werden.1

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Andere Erkrankungen können auch erniedrigte IGF-1-Spiegel zur Folge haben. Zu beachten sind darüber hinaus die unterschiedlichen Empfehlungen zur IGF-1- oder IGFBP-3-Bestimmung bei Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen (siehe Leitlinie).1

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GH-Stimulationstests

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Bei Vorliegen sämtlicher Kriterien sind zwei GH-Stimulationstests (Wachstumshormon-Stimulationstests) an zwei verschiedenen Tagen indiziert. Der Stimulationstest wird morgens (nach mindestens 6-stündigem Fasten) nüchtern durchgeführt.1 Die Diagnose Wachstumshormonmangel darf nur gestellt werden, wenn die oben genannten auxologischen, klinischen, radiologischen und laborchemischen Kriterien erfüllt sind und zwei pathologische Wachstumshormon-Stimulationstests vorliegen. Die Testinterpretation erfolgt anhand des Cut-off-Wertes und ist als pathologisch zu werten, wenn die höchste gemessene GH-Konzentration 8 μg/l unterschreitet.1

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Diagnostikalgorithmus 

Die S2e-Leitlinie stellt einen übersichtlichen Algorithmus zur Diagnostik von Kindern und Jugendlichen mit Verdacht auf Wachstumshormonmangel dar. 

Der Diagnostikalgorithmus ist hier als Download verfügbar. 

Diagnostikalgorithmus (PDF)

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Alternative laborchemische Untersuchungen

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In der Regel werden zwei unterschiedliche GH-Stimulationstests an zwei separaten Tagen durchgeführt. Ausnahmen gelten für Säuglinge und junge Kleinkinder mit erhöhtem Hypoglykämierisiko, für Kinder mit Verdacht auf einen ausgeprägten Wachstumshormonmangel sowie für Kinder mit Epilepsie.1 In diesen Fällen können zwei Arginin-Stimulationstests an zwei separaten Tagen durchgeführt werden. Als Testsubstanzen können zudem Clonidin, Glukagon oder Insulin in Betracht gezogen werden. Alternativ kann die nächtliche Spontansekretion des Wachstumshormons gemessen werden – jedoch nur, wenn ausreichende Erfahrung und belastbare Referenzwerte vorliegen. Der GHRH-Test (Wachstumshormon-Releasing-Hormon) ist wegen seiner geringen Sensitivität für die Primärdiagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindesalter nicht geeignet. Besondere Vorsicht ist bei Kindern unter vier Jahren sowie bei der Anwendung von Insulin oder Glukagon geboten, da schwere Hypoglykämien auftreten können.1

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Auch interessant für Sie:

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GH = Growth Hormone (Wachstumshormon)
GHD = Growth Hormone Deficiency (Wachstumshormonmangel)
GHRH = Growth Hormone-Releasing Hormone (Wachstumshormon-Releasinghormon)
IGF-1 = Insulin-Like-Growth Factor 1 (Insulinähnlicher Wachstumsfaktor-1)
IGFBP-3 = Insulin-Like-Growth Factor-Binding Protein 3 (Insulinähnlicher Wachstumsfaktor-1-bindendes Protein 3)
LAGH = Long-Acting Growth Hormone (langwirksames Wachstumshormon)
LGA = Large for Gestational Age (groß für das Gestationsalter)
pGHD = Pediatric Growth Hormone Deficiency (pädiatrischer Wachstumshormonmangel)
SD = Standard Deviation (Standardabweichung)
SDS = Standard Deviation Score (Standardabweichungswert)
 

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  1. Deutsche Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED). S2e-Leitlinie Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter. 2021. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/174-002l_S2e_Diagnostik-des-Wachstumshormonmangels-im-Kindes-und-Jugendalter_2022-04.pdf?
  2. Binder G et al. Leitlinie zur Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter. Monatsschr Kinderheilkd. 2009; 157:997–1006. doi: 10.1002/9781119152712.ch6. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/
  3. Prader A et al. Physical growth of Swiss children from birth to 20 years of age. First Zurich longitudinal study of growth and development. Helv Paediatr Acta Suppl. 1989; 52:1–125. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2737921/
  4. Kromeyer-Hauschild K et al. Perzentile für den Body-mass-Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben. Monatsschrift Kinderheilkunde. 2001; 149:807–818. doi: 10.1007/s001120170107. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s001120170107 
  5. Neuhauser H et al. Referenzperzentile für anthropometrische Maßzahlen und Blutdruck aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS). 2013. Verfügbar unter: https://edoc.rki.de/handle/176904/3254
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