Wie erfolgt die Therapie mit Somatropin?
Die Behandlung eines Wachstumshormonmangels (Growth Hormone Deficiency, GHD) erfolgt durch Substitution des endogenen Wachstumshormons mit rekombinant hergestelltem Somatropin (rGH) über eine subkutane Injektion.1
Eine mögliche Option ist es, rekombinantes Somatropin 1 × täglich zu applizieren. Seit 2021 stehen zudem langwirksame Wachstumshormone (Long-Acting Growth Hormone, LAGH) zur Verfügung, die eine 1 × wöchentliche Injektion ermöglichen und eine wirksame und sichere Behandlungsoption darstellen.1
Die tägliche Applikation von Somatropin kann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Einschränkungen in der Adhärenz einhergehen: Die täglichen Spritzen können als belastend empfunden werden, was maßgeblich zu einer reduzierten Adhärenz beitragen kann.2,3
Langzeitbeobachtungen an Kindern mit pädiatrischem Wachstumshormonmangel (Pediatric Growth Hormone Deficiency, pGHD) zeigten, dass 10–20 % der Kinder die elterliche Zielgröße nicht erreichten. Als vordringlicher Grund dafür wird eine unzureichende Adhärenz wegen der notwendigen, aber unangenehmen, täglichen Injektionen angenommen.4
Vorteile des wöchentlichen Behandlungsschemas sind unter anderem:3
- Geringere emotionale Belastung: Kinder mit Angst oder Unbehagen können von einer niedrigeren Injektionsfrequenz profitieren.
- Alltagstauglichkeit: einfachere Integration in einen wechselnden Tagesablauf, Reisen oder Übernachtungen außer Haus (z. B. Klassenfahrten, Freizeitaktivitäten)
- Neurodivergenz: Kinder und Jugendliche mit ADHS oder Autismus-Spektrum-Störungen können von einer niedrigeren Injektionsfrequenz profitieren.
Darüber hinaus zielt die Therapie auf die Reduktion langfristiger gesundheitlicher Risiken ab, die mit einem unbehandelten Wachstumshormonmangel assoziiert sein können. Bleibt ein Wachstumshormonmangel unbehandelt, kann ein lebenslanger Kleinwuchs die Folge sein.11 Studiendaten von Erwachsenen mit unbehandeltem GHD zeigen zudem, dass ein unbehandelter Wachstumshormonmangel mit erhöhten Prävalenzen für verschiedene Erkrankungen assoziiert ist. Dazu gehören insbesondere:12
- Kardiovaskuläre Erkrankungen
- Dyslipidämien
- Osteoporose
Zusätzlich kann die Wachstumshormontherapie die Lebensqualität verbessern. Studien, die Kinder und Jugendliche mit GHD untersuchten, zeigen einen Zusammenhang zwischen Wachstumshormonmangel und atypischer Depression. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass eine GH-Therapie zu einem Anstieg des Energieniveaus und zu einer deutlichen Verbesserung des psychischen Zustands führt.13
Positiver Einfluss auf die Muskelmasse
Die Studienlage spricht dafür, dass sowohl der Knochen- als auch Muskelstatus bei Kindern mit Wachstumshormonmangel beeinträchtigt sein können.14 Studien bei Kindern und Jugendlichen mit GHD liefern zudem Hinweise auf einen günstigen Einfluss der Wachstumshormon-Ersatztherapie (Growth Hormone, GH) auf die Körperzusammensetzung: sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen wurde in der Übergangsphase zur Adoleszenz eine reduzierte fettfreie Masse dokumentiert, wobei eine GH-Substitutionstherapie mit positiven Effekten assoziiert war.14
Für belastbare Aussagen sind weitere Studien erforderlich, um die Auswirkungen eines Wachstumshormonmangels und der GH-Ersatztherapie auf Knochen und Muskulatur im Kindes- und Jugendalter genauer zu definieren.14
Auch interessant für Sie:
GH = Growth Hormone (Wachstumshormon)
GHD = Growth Hormone Deficiency (Wachstumshormonmangel)
LAGH = Long-Acting Growth Hormone (langwirksames Wachstumshormon)
pGHD = Pediatric Growth Hormone Deficiency (pädiatrischer Wachstumshormonmangel)
rGH = Recombinant Growth Hormone (rekombinant hergestelltes Wachstumshormon)
- Frizler M, Paesler J. Langwirksame Wachstumshormonanaloga zur Substitution des endogenen Wachstumshormons bei Kindern und Erwachsenen mit einem Wachstumshormonmangel: einmal wöchentliche Gabe. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 4, BfArM Dezember 2022. Verfügbar unter: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/bulletin-arzneimittelsicherheit/2022/4-2022.pdf?__blob=publicationFile&v=4
- Rosenfeld RG, Bakker B. Compliance and persistence in pediatric and adult patients receiving growth hormone therapy. Endocr Pract. 2008; 14(2):143–54. doi: 10.4158/EP.14.2.143. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18308651/
- Maniatis AK et al. Long-Acting Growth Hormone Therapy in Pediatric Growth Hormone Deficiency: A Consensus Statement. J Clin Endocrinol Metab. 2025; 110(4):e1232–e1240. doi: 10.1210/clinem/dgae834. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39672599/
- Dörr HG et al. Lang wirksames Wachstumshormon – eine neue Therapieoption für Kinder mit Wachstumshormonmangel: Status 2024. Monatsschr Kinderheilkd. 2024. https://doi.org/10.1007/s00112-024-02022-7. Epub ahead of print. Verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/382926510
- Norditropin® FlexPro® Fachinformation, September 2023. Verfügbar unter : https://pro.novonordisk.de/content/dam/hcp-plus/de/de_de/product/fi/FI_Norditropin_FlexPro.pdf
- Genotropin® Fachinformation, Mai 2024. Verfügbar unter: https://figi.pfizer.de/sites/default/files/FI-5821.pdf
- European Medicines Agency. Skytrofa® (Lonapegsomatropin): EPAR – Product information, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/skytrofa-epar-product-information_de.pdf
- Ngenla® Fachinformation, November 2025. Verfügbar unter: https://figi.pfizer.de/sites/default/files/FI-23661.pdf
- Sogroya® Fachinformation, November 2025. Verfügbar unter: https://www.fachinfo.de/fi/pdf/024153/sogroya
- Binder G et al. Leitlinie zur Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter. Monatsschr Kinderheilkd. 2009; 157:997–1006. doi: 10.1002/9781119152712.ch6. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/
- Murray PG, Clayton PE. Disorders of Growth, in: Brook's Clinical Pediatric Endocrinology, Seventh Edition. 2019. https://doi.org/10.1002/9781119152712.ch6
- Fukuoka H et al. Prevalence and risk of complications in untreated patients with adult growth hormone deficiency. Pituitary. 2025;28(2):32. doi: 10.1007/s11102-025-01500-9. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39966200/
- Akaltun İ et al. Is growth hormone deficiency associated with anxiety disorder and depressive symptoms in children and adolescents?: A case-control study. Growth Horm IGF Res, 2018. 41:23–27. doi: 10.1016/j.ghir.2018.06.001. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29886327/
- Improda N et al. Muscle and skeletal health in children and adolescents with GH deficiency. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2016;30(6):771–783. doi: 10.1016/j.beem.2016.11.012. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27974190/
06/2026 DE-COMM-2500073 v1.0